Die dänische Künstlerin Ulla Hvejsel hat ein Stipendium in Berlin. Sie residiert im ZK/U und irritierte und begeisterte das Publikum mit einer Performance. Zu Beginn verkündete sie, dass sie viel rote Bete-Saft getrunken habe. Dann schob sie eine Flasche mit Pinkeleinsatz unter ihr wallendes Gewand. Mit Spannung beobachtete das Publikum, was dann passierte: Langsam floss eine rote Flüssigkeit hinein. Die Menschen applaudierten einem Vorgang, den sie jeden Tag mehrfach selbst verrichten und waren neugierig gemacht auf die Geschichten, die Ulla dann vortrug.
Nährstoffkreisläufe mit menschlichen Exkrementen sind ein Hauptthema ihrer künstlerischen Arbeit. In der Performance widmete sie drei NetSan-Mitgliedern ein jeweils eigenes Kapitel ihrer Darbierung. Die japanische Künstlerin Ayumi Matsuzaka hat in Berlin das Unternehmen Dycle gegründet, das Eltern mit Biowindeln versorgt. Nach Gebrauch vererdet Dycle die Hinterlassenschaften der Babys und lässt auf der guten Erde Obstbäume wachsen.
Auch Finizio in Eberswalde wurde vorgestellt. Das Unternehmen hygienisiert und kompostiert die Inhalte von Trockentoiletten von Festivals und aus öffentlichen Toiletten. In jahrelangen Feldversuchen wird die Anreicherung von Nährstoffen und der Humusaufbau des Ackers eines konventionellen Landwirtschaftsbetriebs dokumentiert. Weil das deutsche Recht menschliche Exkremente als Ausgangsstoff für Dünger bisher nicht zulässt, darf das aber bisher nur im Rahmen eines Forschungsprojekts stattfinden.
Schließlich wurde auch die Leistung unserer wissenschaftlichen Kollegin Ariane Krause gewürdigt, die das Forschungsprojekt Zirkulierbar geleitet hat und jetzt bei NetSan arbeitet. Ariane treibt mit unendlich viel Wissen und Schwung die Sanitär- und Nährstoffwende voran – forscht, vernetzt, erklärt, macht Lobbyarbeit.
Ulla Hvejsel will in Berlin weiterforschen und interessiert sich sehr für das Thema Abwassersystem und Berliner Rieselfelder. Auf denen wurde jahrzehntelang Gemüse angebaut – bis klar wurde, dass der Boden nicht nur die wertvollen Nährstoffe aus dem Kot und Urin der Berliner Bevölkerung enthielt, sondern auch extrem hoch mit Schwermetallen belastet ist: Folge der Vermischung im Abwassersystem. Inzwischen gelten mehrere Rieselfelder als stark sanierungsbedürftige Altlasten.